Ein Streik, Riobamba, Schulfeste und Chicha // A strike, Riobamba, school festivities and Chicha

Seit meinem letzten Beitrag sind einige Dinge passiert. Kurz nach meinem letzten Post gab es ein Schulfest zum Jubiläum der Schule, an der ich unterrichte.

Dieses Fest sollte eigentlich am 02. und 03. Oktober stattfinden, jedoch konnte der zweite Tag nicht realisiert werden, da am 03.10 ein landesweiter Streik ausgerufen wurden, weswegen ca. 10 Tage lang weder Busse, Taxis, Lastwagen oder Camionettas fuhren. Somit waren die einzigen Fortbewegungsmittel Motorräder, welche nur wenige Menschen hier besitzen, und die eigenen Füße. Schule fand somit nicht statt, da die meisten Schüler und Lehrer mit dem Bus zur Schule fahren, da es zu Fuß zu weit wäre. Somit arbeiteten wir unter der Woche nur im Dorf. Unter anderem versuchten wir die Qualität des Fußweges von unserem Dorf zur Dschungelstraße hoch zu verbessern, was ziemlich anstrengend war. Auch arbeiteten wir ein bisschen an der neuen Hütte weiter, was aber nicht super dringend war, denn die Kurzzeitfteiwillige, die eigentlich in dieser Woche zu uns kommen sollte, steckte dank dem Streik eine Woche lang in Quito fest. Da keine Busse in dieser Zeit fuhren, konnten wir natürlich auch nicht einkaufen fahren, weshalb wir uns gegen Ende des Streiks nur noch von selbstangebauten und -erlegtem ernährten. Das waren in unserem Fall Papachinas, Yuca, Palmito, Fisch und Hühnchen. Auch ging das Gas zum Kochen ziemlich bald nach Streikbeginn leer, was bedeutete, dass von nun an über dem Feuer gekocht werden musste. Das war aber gar nicht schlimm, das Kochen dauerte nur länger, da man jetzt nur noch ein „Kochfeld“ hatte, aber selbst ich habe es geschafft Reis mit Gemüse über dem Feuer zu kochen (ich war sehr stolz 😉 ). Und, um ein kleines Stück Heimat in den Dschungel zu holen, haben wir an einem Abend Stockbrot gemacht, was ich ziemlich cool und ziemlich lecker fand.
Obwohl die Situation in einigen Teilen des Landes, v.a. in den großen Städten sehr kritisch war, haben wir hier in unserem Dorf im Dschungel neben dem Essen und dass wir keine Schule hatten keine Auswirkungen davon gespürt, worüber ich sehr froh war.
Am letzten Streikwochenende sind wir wie viele Sonntage in die Communidad gegangen, diesmal aber auf eine besondere Weise. Da sowohl unser Dorf als auch die Communidad am selben Fluss liegen, haben Caesar (mein Gastvater), Cecilia und Nine (Kurzzeitfreiwillige), und ich drei große Schwimmreifen aufgepumpt. Mit Gummistiefeln und kurzer Hose ausgerüstet sind wir dann auf den Reifen liegend den Fluss hinabgetrieben, wobei man manchmal sehr schnell mit seinen Händen paddeln musste, damit man nicht in einen Stein oder ein im Wasser liegenden Stamm treibt. Und da die Sonne an diesem Tag mal wieder sehr stark war, habe ich mir natürlich direkt einen wunderschönen rechteckigen Sonnebrand auf der Rückseite meiner Oberschenkel geholt, der durch meine Gummistiefel und meine kurze Hose eingegrenzt wurde.

Abends durften alle Freiwilligen einmal ihre nackten Füße auf den Tisch legen, die dann gründlich von Lucy mit ihrer Stirnlampe auf Parasiten untersucht wurden. Dies wurde gemacht, da Sven sich ein paar unerwünschte Bewohner in seinem Fuß eingefangen hatte, die dann auch direkt entfernt wurden, während wir restlichen amüsiert zuschauten (da wir keine hatten). Ja gut, am Abend nachdem ich diesen Eintrag fertig geschrieben hatte, hatte auch ich einen….

Am 14.10. war der Streik dann endlich vorbei. Doch das bedeutete, dass ich in die neue Hütte umziehen musste, denn die neue Kurzzeitfreiwillige Julia konnte nun zu uns kommen.
Umgezogen sind Sven und ich direkt nach der Schule am Tag darauf, was ziemlich schnell ging. Die einzige Schwierigkeit war den Tisch und das Bett in die neue Hütte zu bekommen, denn sie passten nicht durch die Tür, weswegen wir sie irgendwie durchs Fenster schieben mussten, was aber nach einigem hin- und herschieben funktioniert hat. Den Wechsel in die neue Hütte habe ich in einer Hinsicht leider deutlich gemerkt, und zwar im Bezug Schlafen. Das konnte ich dort ca. die 1. Woche überhaupt nicht gut, denn in der neuen Hütte kann man den Fluss nicht mehr so laut hören und morgens waren die Hähne und der Hund sehr früh sehr laut neben mir am rumschreien, was es nicht vereinfacht hat, aber mittlerweile ist das zum Glück kein Problem mehr.

Anfang November hatten wir dann ein ziemlich langes Wochenende (4 Tage!), an denen wir eigentlich eine Tour in den Anden zusammen mit Caesar und einigen anderen Freiwilligen von KulturLife machen wollten, die leider ins Wasser gefallen ist, da es Probleme mit der Unterkunft gab. Stattdessen haben wir Freiwilligen uns dann ein paar richtig schöne Tage in Riobamba gemacht. Alleine schon die Busfahrt von Macas nach Riobamba war echt schön, denn neben einem sehr leeren und luxuriösen Bus war der Wechsel der Natur von Dschungel- zu Andenlandschaft sehr spannend mitanzusehen. In Riobamba trafen wir dann auch die drei anderen Freiwilligen und schauten uns die Stadt an, darunter eine Kathedrale und Märkte, wobei mich v.a. der Essensmarkt sehr beeindruckt hat und wie viel Obst und Gemüse man auf einem Tisch stapeln kann. Was ich allerdings nicht sonderlich schön fand war die Fleischabteilung, zum einen wegen dem unleckeren Geruch und zum anderen, weil ich aufgetürmte Schweinefüße und -köpfe einfach nicht gerne anschaue.

Auch besuchten wir die nahegelegene „Laguna Colta“, die zwar schön, aber nicht besonders war. Allerdings gab es dort sehr süße Lamas / Alpacas (ich kann sie nicht auseinanderhalten…). Den coolsten Ausflug machten wir aber am letzten Tag. Am Sonntag fuhren wir mit einem Bus von Riobamba zum nahen Chimborazo, dem höchsten Berg Ecuadors (6.300 m). Der Eingang liegt auf ca. 4500 m, was ich schon nach einigen Schritten merkte. Noch schlimmer wurde es, als wir mit einem Auto die 8 km hoch zum 1. Refugio fuhren, denn von dort liefen wir den Fußweg zum 2. Refugio und danach zu einer „Lagune“ (eher eine große Pfütze…), was dann auf ca. 5.300 m lag. Selbst der kurze Weg dorthin war für mich sehr anstrengend, da ich sonst auf 700 m lebe, weswegen ich ziemlich viele Pausen brauchte und ich den restlichen Tag Kopfschmerzen hatte. Aber es hat sich definitiv gelohnt, denn der Ausblick auf die schneebedeckte Spitze des Chimborazos, als sich endlich die Wolken verzogen, war überragend, genauso wie der Blick auf den Weg, den man bis dahin geschafft hatte. Da saßen wir also auf unserem Ausblickspunkt und snackten ein bisschen, da fing es plötzlich trotz strahlender Sonne an zu schneien und Alice und Nele bauten einen kleinen Schneemann. Für mich, die seit 2,5 Monaten nur noch Dschungelklima kennt, war diese Erfahrung mal wieder richtig schön.
Während der Busfahrt zurück in den Dschungel hatte ich gemischte Gefühle, denn einerseits freute ich mich wieder auf den Dschungel, andererseits fand ich es richtig toll mich mit den anderen über unsere Projekte austauschen zu können und zusammen Dinge zu unternehmen. Aber ich wurde im Bus von Macas zu unserem Projekt direkt dadurch aufgemuntert, dass eine Frau einen kleinen Affen dabei hatte, der in den Vorhängen herumgeklettert ist.

Zurück in der Schule gab es direkt ein Fest, bei dem jede Klasse etwas anderes ausstellte oder vormachte. Am besten fand ich dabei die Klassen, die in traditioneller Kleidung etwas vortanzten. Allgemein kann ich nach fast 2,5 Monaten in meiner Schule sagen, dass mir das Unterrichten echt Spaß macht, es allerdings viel leichter ist, wenn die Schüler motiviert sind und mitmachen, was leider nicht in jeder Klasse der Fall ist, aber so ist es ja überall. Auch lernt man mit jedem Schultag, welche Methoden, Spiele oder Aufschriebstrukturen funktionieren oder eben auch nicht. Da meine Schule im Vergleich zu anderen Schulen hier in der Gegend sehr groß ist und dewegen auch sehr viele Schüler hat, kenne ich natürlich nicht jeden Schüler. Allerdings merkt man schnell, falls er oder sie es ist, denn man wird von seinen Schülern egal zu welcher Tageszeit man sie trifft mit „Good morning, teacher“ gegrüßt, was ich sehr süß finde.

Mittlerweile habe ich auch das erste Mal selber Chicha gemacht. Dahinter steckt sehr viel mehr Arbeit und Zeit, als ich dachte. Die Hauptzutat des „Spucke-Biers“, wie es manche nennen, ist Yuca, welches viele Familien hier selber anpflanzen. Dieses mussten wir auf der anderen Seite des Flusses ernten gehen. Doch bevor das Ernten anfing mussten wir erst einmal einige Stunden lang Unkraut auf dem Feld jäten, was ziemlich anstrengend war. Danach wurden dann die Wurzeln mit dem Yuca aus der Erde gezogen, mit der Machete geschält und danach ging es wieder zurück durch den Fluss zum Dorf, wo das Yuca gewaschen und gekocht wurde. Abends saß ich dann mit Lucy, meiner Gastmutter, bei Kerzenlicht neben der Feuerstelle. Während sie das Yuca weiter zu Brei zerstampfte kauten wir beide Yucafasern und -stücke, die dann aber nicht heruntergeschluckt, sondern nach einer gewissen Zeit mit viel Spucke in den Topf gespuckt wurden. Danach kommt dann noch eine Portion altes Chicha dazu, damit das ganze schneller fermentiert und fertig ist ist das Chicha…naja nach 2-3 Tagen fermentieren.

Bis bald!

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A lot of things have happened since my last blogpost. Shortly after I wrote my last one there was a celebration for the anniversary of my school which was supposed to be on the 2nd and 3rd October, but could only take place on the 2nd, because on the 3rd a nationwide strike was initiated. Because of that there weren’t any busses, taxis, trucks or camionettas for about 10 days. The only vehicles left were motorcycles, but not many people have those here, so we had to walk everywhere we wanted to go. That’s why school was cancelled for the length of the strike, because most of the students and teachers go to school by bus because it would be too far to walk. So during the week we just worked in our little village. We tried to improve the quality of the path from our village up to the jungle-street, which was very exhausting. We also worked a little bit on the new hut, but that wasn’t really urgent because the new short-term-volunteer who was supposed to come that week was stuck in Quito. As there were no busss during that time, we of course also couldn’t go food shopping, which lead to us having to eat food we grew or hunted ourselves. In our case that was Yuca, Papachina, Palmito, chicken and fish. Also the gas for our stove was used up very quickly so we had to start cooking over the fire. This wasn’t a big problem, it just took more time to cook, because now there was just one „stove top“, and even I was able to cook rice with vegetables on the fire (which I was very proud of 😉 ). Also to bring a piece of home into the jungle, Sven an I made a special kind of bread (literally translated : „stick bread“), which was really cool and yummy.
Although the situation was very bad in some parts of the country, especially in the big cities, we didn’t really notice it in our little village except for the food and that we didn’t have school, which I was very glad about.
On the last weekend during the uprisings we went to the community like on many sundays, but this time we took a special path. Because our village lies at the same river as the community Cesar (my host father), Cecilia and Nine (short-term volunteers) and I inflated three big rubber floaties. Then in rain boots and shorts we laid on top of the floaties and let ourselves drift in the river with the current, which ment that sometimes we had to paddle really fast with our hands in order to avoid bumping into a boulder or a tree trunk. And of course the sun was really agressive that day which meant I really quickly got a really pretty rectangular sunburn on the back of my thighs which stopped at my rainboots and shorts.
That evening all of us volunteers had to put our bare feets on the table, which were then thoroughly inspected for parasites by Lucy (my host mother) with her head lamp. We had to do this because Sven had gotten himself some unwelcome pets in his feet, which were then very quickly removed. The rest of us gladly watched (because we didn’t have any). Joke’s on me, the evening after I finished writing this entry I had one myself….
On the 14th October the uprisings were finally over. But that meant, that I had to move to the new hut, because now the new short-term volunteer Julia could come to us from Quito. Sven and I moved into our new rooms the next day after school, which didn’t take much time. The only trouble we ran into was getting the bed and table (our only furniture) into the hut, because they didn’t fit through the door. But we managed to somehow fit them through the window. Unfortunately I definetly noticed the change of living space, because I wasn’t able to sleep well there for the first week. This was probably because there the river isn’t as close, so it is a lot more quiet and instead I now have to hear the roosters and the dog very loudly very early in the morning, but I’ve gotten used to that, too and now I can sleep normally again.

The first four days of november were holidays on which we originally planned to do a tour in the Andes together with Cesar and a few of the other volunteers from KulturLife. But we couldn’t do it because there were problems with our hostel. Instead we volunteers spent a few great days together in Riobamba. The bustrip from Macas to Riobamba itself was beautiful, because aside from the empty and luxurious bus the change of our surroundings from jungle to the Andes was really cool to watch. In Riobamba we then met the other three volunteers Paula, Nele and Alice and together we got to know the city a little bit. We went to a cathedral and to some markets, of which the most interesting was the food market. It was especially cool to see how much vegetables and fruits people can stack on one table. What I didn’t really like was the meat section because of the nasty smell and also because I just didn’t really like the sight of stacked up pig feet and heads.
We also visited the nearby „Laguna Colta“, which was nice but nothing special, but there were really cute lamas / alpacas (I can’t tell them apart…). But the coolest trip was on our last day. On sunday we took the bus from Riobamba to the nearby Chimborazo, the highest mountain of Ecuador (6.300m). The entrance is at about 4.500m, which I definetly noticed after only a few steps. It got even worse after we took a car up to the first Refugio. From there we walked up to the second Refugio and after that to a „lagune“ (it was more like a big puddle…) which was at about 5.300m. Even the short path there was really hard for me, because I normally live on about 700m. That’s why I needed multiple breaks and had a headache for the rest of the day. But it was definetly worth it, because the view of the snowy tip of the Chimborazo as we stood on the hill next to the lagune was breath taking (after the fog had lifted) as well as looking back on the path we had already walked up. As we sat there, enjoying the view and eating our snacks it suddenly started to snow although the sun was still shining brightly, then Alice and Nele built a little snowman. For me, who has been living in jungle climate for the past 2,5 months, this experience of snow and it being cold was really great.
During the bus ride back to the jungle I was happy and sad at the same time because on the one hand I was looking forward to going back but on the other hand I had really enjoyed being able to talk to the other volunteers about our projects and just doing stuff together. But in the bus from Macas to my project I was feeling better, because a woman had a little monkey with her which was climbing around in the curtains.

Back in school there was another festive program, where every class presented something different. I liked the classes that danced in traditional clothes the most. In general after about 2,5 months in my school I can say that I enjoy teaching, but that it is much easier and more enjoyable when the students are motivated and participate which unfortunately / of course not every class does, but that’s the same in every country I guess. Also every day I learn which methods, games or structures work or don’t work. Also because my school is very big in comparison to the other schools in this area I have a lot of students and thus I cannot remember many names of my students. But you very quickly know if it’s one of your students because they greet you, no matter what time it is, with „Good morning, teacher“, which I find very cute.

A few days ago I also made my first batch of Chicha, which is a lot more work than you think. The main ingredient of the „spit-beer“ as some call it, is yuca, which many families here grow themselves. We got our yuca from a field on the other side of the river. But before we could start harvesting it we first had to get rid of all the weed that was growing there which took a few hours and was exhausting. After that was done we then pulled the roots with the yuca attached to it out of the ground and pealed the yuca with machetes. Then we headed back through the river to our village where we washed and then cooked it. In the evening Lucy and I sat next to the fire place and while she mashed up the cooked yuca we both chewed yuca fibres and pieces, which we then didn’t swallow but after a certain amount of chewing spit into pot of yuca. After that you add a bit of old Chicha to help with the fermentation process and the Chicha is done…well after 2-3 days of fermenting.

Arbeiten an der neuen Hütte // working on the new hut
Bambus lackieren // painting a layer of laquer on the bamboo
Stockbrot machen // making „stick bread“
Die fertige Hütte // the finished hut
Ab in die Anden! // Lets go to the Andes!
Ein Lama bei der Laguna Colta // a lama next to the laguna Colta
La Laguna Colta
Der Artesania-Markt in Riobamba // the artesanial market in Riobamba
Die Fleischabteilung…. // the meat section….
Die Obstabteilung des Markts // the fruit section of the market
Alice und Neles Schneemann // Alices and Neles snowman
Das 2. Refugio am Chimborazo // the 2nd Refugio on the Chimborazo
Die Spitze des Chimborazos // the top of the Chimborazo
Die Ernährungsabteilung beim Schulfest // the food section during the school festivities
Der Wunschbaum einer Klasse // the „wish-tree“ of one class
Der Artesaniatisch der 3. Bachilleratos // the artesanial table of the 3rd bachilleratos
Auf dem Weg zum Yuca-Feld // On our way to the yuca-field
Ganz am Ende des Erntens wird das Yuca zum Chicha machen noch auf dem Feld geschält // At the very end of the harvest the yuca, which is going to be made into chicha, is peeled
Alle beim Abendessen // everyone at dinner

Ein Gedanke zu “Ein Streik, Riobamba, Schulfeste und Chicha // A strike, Riobamba, school festivities and Chicha

  1. Avatar von Markus Bonsen

    Hi Maike,
    Thank you very much for the update. Sounds all very cool and interesting. I admire the carpentry of the new house, looks very solid. Great English, too! Say hi to your chief Cesar and his family from us,
    Papi

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