Pruebas, eine Überschwemmung und das Yukaip-Fest // Pruebas, a flooding and the Yukaip-party

Da wir, wie im letzten Beitrag erwähnt, auf der anderen Seite des Flusses ernten waren, hatten wir eine ganze Menge Naranjillas, die einige Tage später von mir zu einem leckeren Saft verarbeitet wurden. Dafür musste ich die Früchte waschen, das obere Ende abschneiden und dann halbieren. Die Hälften wurden dann etwa 20 Minuten in einem Topf voll mit Wasser über der Feuerstelle gekocht. Als das Ganze abgekühlt war, hat Cesar dann die Naranjillastücke zerstampft, sodass keine Stücke mehr vorhanden waren. Zum Schluss kam noch etwas Zucker dazu und voila: leckerer und selbstgemachter Saft.


Das Wochenende darauf sind wir erneut auf die andere Seite des Flusses, um Yuca zu ernten. Die Benutzung des Wortes „Ernte“ trifft allerdings nur auf einen Bruchteil der Zeit zu, die auf dem Feld  (der Chakra) verbracht wird. Den Großteil der Zeit verbringt man nämlich mit Unkraut zupfen und dann Haufen davon außerhalb des Feldes zu entsorgen. Diesmal hat das etwa 4 oder 5 Stunden gedauert. Erst danach  werden die Yucapflanzen, die geerntet werden, abgeschnitten und dann die Wurzeln (das eigentliche Produkt) aus dem Boden gezogen. Danach werden noch einige der abgeschnittenen Pflanzen weiter zerstückelt und vergraben, sodass daraus neue Pflanzen wachsen.
Dann machten Lucy und ich, jeweils mit einem schweren Sack voller Yuca, der an unseren Köpfen befestigt war, auf den langen Weg zurück. Wir konnten nämlich nicht durch den Fluss, was sehr viel kürzer und schneller ist, da dieser dank Regen zu hoch war. Als wir dann nachmittags ankamen, gab es zwei Neuankömmlinge. Der erste war Jeremy, ein amerikanischer Ex-Freiwilliger, der nur für eine Nacht zu Besuch da war. Die zweite war Sandrine, eine belgische Kurzzeitfreiwillige, die für 4 Wochen hier sein wird. Den restlichen Tag habe ich mich dann in einer Hängematte ausgeruht, denn mir tat alles weh.

In der Schule bereitete ich in dieser Woche die Pruebas des dritten Parcials vor, welche ich so einfach wie möglich konstruierte, nachdem die ersten beiden ziemlich schlecht ausgefallen sind, obwohl ich in den Tests wirklich nur Sachen abgefragt habe, die wir genauso mehrmals im Unterricht gemacht hatten. In den letzten Stunden vor den Pruebas nahm ich auch nochmal alles durch, was drankommen würde. Nachdem die Schüler sie letzte Woche geschrieben haben und ich sie korrigiert hatte, gab es zwar einige Schüler mit 5 oder mehr Punkten (10 sind hierbei die Bestnote, 0 die Schlechteste) aber immernoch einige mit nur wenigen Punkten. Die Ergebnisse waren jedoch von Klasse zu Klasse unterschiedlich, wobei meine 8. Klasse auf jeden Fall am besten abgeschnitten hat mit nur einmal 4 Punkten und ansonsten nur 6 und mehr Punkte. In anderen Klassen fiel die Prueba jedoch so aus, dass man denken könnte, dass sie im letzten Parcial keinen Unterricht hatten. Solche Ergebnisse nehmen mir auch ein bisschen die Motivation, da die Halbjahresprüfungen anstehen, d.h. der Stoff des gesamten Halbjahres sollte in der 40- minütigen Prüfung abgefragt werden. Allerdings sollte es dabei nicht wirklich schwer sein, denn sonst würden sehr viele meiner Schüler durchfallen, was das Gegenteil meines Ziels ist. Alles in allem eine verzwickte Lage. Ich werde auf jeden Fall die nächste Woche sehr viel wiederholen müssen, da die Schüler, die für die Sprache Englisch hier außer in der Schule keine Anwendung haben, wenig Motivation zum Englisch-lernen haben und vieles bis zur nächsten Stunde wieder vergessen haben.

Im ökologischen Teil des Projekts haben wir zwei Nachmittage lang Palmblätter, die Cesar zuvor mit der Machete abgeschlagen hat, mit einer bestimmten Technik gedreht und gefaltet, sodass er damit das Dach meiner alten Hütte reparieren konnte. Am zweiten Nachmittag, als Cesar das Dach reparierte, kam ich und fragte ob ich helfen könnte. Die Antwort, von der ich zuerst dachte, sie sei ein Witz, war: da liegt Fleisch, dass du in die Küche tragen kannst. Dann habe ich auch einen Schwanz unter einem Stapel Palmblätter hervorragen sehen, zu dem ein bereits ausgenommenes Gürteltier gehörte, welches ich in die Küche tragen durfte. Dieses wurde zu einer Suppe verarbeitet, die es zum Abendessen gab.
Das letzte Wochenende war ich dann in Macas, damit ich mal wieder etwas Stadtleben hatte und ein paar Dinge einkaufen konnte. Auch fand ein Karnevals Umzug statt, der ein bisschen wie die Fasnetsumzüge zu Hause in Deutschland war und es echt cool war, zu zu schauen.

Letzten Mittwoch wurde ich bereits nachts vom starken Regen wach, weil es so laut war. Morgens regnete es zwar nicht mehr, aber sowohl der kleine (Rio Colorado) als auch der große Fluss (Rio Macuma) waren sehr voll und vor allem dreckig. Nach dem Frühstück sind Sven und ich wie immer losgelaufen, jedoch es kurz darauf an heftigst zu regnen. Zum Glück waren wir nahe an einer Hütte, wo wir uns unterstellen konnten, denn die nächsten 2,5 Stunden hörte es nicht mehr auf zu regnen. In die Schule kamen wir an dem Tag nicht mehr, da unser regulärer Bus nicht anhielt und der nächste Bus, wahrscheinlich wegen dem Regen, gar nicht kam. Als es dann endlich nur noch nieselte, gingen wir zurück ins Dorf. Dabei konnte man schon auf dem Weg beide Flüsse sehr laut hören und sie sogar sehen, was kein gutes Zeichen war. Im Dorf angekommen sahen wir dann auch direkt, dass beide Flüsse über die Ufer getreten waren. Etwa eine halbe Stunde später wurde ich dann von Tunti gerufen, dass ich helfen sollte. Als ich aus meiner Hütte kam, sah ich auch direkt, womit.
Die Flüsse waren soweit angestiegen, dass der Vorplatz von Cesars Haus unter Wasser stand und unter dem Haus gelagerte Bretter weggeschwemmt wurden, die wir einfangen sollten und auf den höher gelegenen Weg legten. Währenddessen stieg das Wasser sehr schnell weiter an, sodass nach 15 Minuten der Wasserspiegel knapp unter Cesars Haus war. Während Sandrine uns ich dann schonmal das Mittagessen kochten, hielten Cesar und Sven Ausschau nach großen Baumstämmen, die vom Fluss mitgerissen wurden, damit sie notfalls das Haus davor retten konnten, von einem solchen Stamm zertrümmert zu werden, was zum Glück nicht passierte. Laut Cesar war dies die schlimmste Überflutung. Der Wasserspiegel, der insgesamt bestimmt 4 Meter angestiegen ist, war sogar 50cm höher als bei der letzten Überschwemmung vor 4 Jahren.
Bereits am Abend war der Wasserspiegel schon fast wieder normal und man konnte die Zerstörung sehen, die die Flut hinterlassen hat. Eigentlich alle Platano-Palmen und Yucapflanzen, sowie einige Bäume wurden weggeschwemmt. Und auf der anderen Seite des Flusses, wo unsere Felder sind, wurde auch fast alles mitgerissen.

Allerdings konnte Cesar noch einen Teil des Yucas retten, da viele Wurzeln noch in der Erde steckten und nur der Rest der Pflanze weg war. Aber jetzt muss alles neu bepflanzt werden und die nächste Ernte kann erst in 6-8 Monaten wieder stattfinden. Das passierte auch einigen anderen Familien. Andere hatten ihre Kühe und Pferde nah am Fluss angebunden, weswegen einige Tiere ertranken.
Bereits zwei Tage später (am 31.01.) wurde aber schon wieder gefeiert, und zwar das Jubiläum der Gemeinschaft Yukaip. Während Sven und Sandrine morgens nach dem Frühstück direkt zum Fest sind ging ich noch nach Macuma, was ich mir hätte sparen können, da kein Unterricht stattfand, was ich aber erst erfuhr, als ich da war. In Yukaip angekommen gab es richtige Verkaufsstände und sehr viele Menschen aus anderen Gemeinschaften. Vormittags gab es ein Fußballtunier, bei dem die Kinder von verschiedenen Schulen gegeneinander antraten. Mittags gab es ein Volleyballtunier der über 50-jährigen, bei dem drei meiner Lehrer ein Team bildeten. Nachmittags ging es dann nochmal kurz zurück ins Dorf, wo Sandrine und ich Yuca für die Hühner kleinraspelten.
Abends waren wir dann wieder in Yukaip, da die Wahl der Reina (Königin) stattfand. Es gab drei Kandidatinnen, die in verschiedenen Outfits und zu verschiedenen Liedern ein Choreographie vorführten und dabei von einer Jury bewertet wurde. Das Ganze wirkte auf mich ziemlich merkwürdig, da man Glitzerkleider, High Heels und Schminke hier sonst nicht zu Gesicht bekommt. Da nach jeder Runde Outfits gewechselt wurden, dauerte die Wahl bis Mitternacht (sie hat um 20:00 angefangen). Nach der Krönung der Gewinnerin wurde wieder getanzt, bis wir uns um 1 Uhr auf den Nachhauseweg machten. Am Samstag ging das Fest weiter. Sandrine und ich blieben allerdings im Dorf, da es regnete und ich noch Vokabelspiele für meine Schüler basteln wollte.

Am Sonntag, also am Tag nach dem Yukaip-Fest, wurde Cesars Geburtstag gefeiert, der eigentlich erst am 07. Februar ist, aber bei den Shuar feiert man eben dann, wann es am passendsten ist. Die Feier fing jedoch erst sehr spät abend, so ca. um 19:00 an. Den restlichen Tag war Cesar nämlich mit Lucy und zwei anderen Familien beim Ernten des restlichen Yucas. Das war immer noch ziemlich viel, sodass jede Familie zwei volle Säcke mit nach Hause nahmen, wir auch einen vollen hatten und zwei oder drei weitere an andere Familien verkauft wurden. Dementsprechend wurde während die Hühnersuppe und das Yuca zum Essen kochten, von den weiblichen Gästen Chicha zubereitet, während Sandrine, Sven und ich mit Cesar, einigen Kindern und den männlichen Gästen am Tisch saßen und bei einem Glas Naranjilla-Alkohol über dieses und jenes gequatscht haben. Alles in allem ein sehr gemütlicher Abend, der für mich bis um 23:00 ging (was für Selva Vida ziemlich spät ist:)).

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Because we harvested on the other side of the river, as I mentioned in my last entry, we had a lot of naranjillas, which I made juice out of a few days later. To make juice I haf to wash the fruits, cut off the top and then half them. The halves were cooked for about 20 minutes in a pot filled with water on the fire. After it had cooled down, Cesar mashed up the cooked fruits. The last step was adding a bit of sugar, because naranjillas are very sour and then the homemade and very delicious juice was done.
The weekend after that we went to the other side of the river again, to harvest yuca. Actually the word „harvest“ is a bit misleading because the majority of the time you spend on the field (the Chakra) you get rid off weeds and then dump the heaps of them outside of the field. This time this part took us about 4 or 5 hours. Only then are the yuca plants, which are to be harvested, cut off and the roots (which is the part you want) pulled out of the ground. After that some of the already cut off plants are cut into even smaller pieces and buried, so that new plants grow out of them.
Then Lucy and I, each with one heavy sack filled with yuca, which we carried on our heads, started the long way back. We couldn’t go throught the river, which is much faster and shorter, because it was too deep thanks to earlier rain. When we arrived in the afternoon two new people were in the village. The first one was Jeremy, an American Ex-volunteer who visited his old project only stayed one night. The second was Sandrine, a Belgian short-term volunteer who would stay four weeks. The rest of the day I spent relaxing in a hammock, because my whole body hurt.


In school I prepared the pruebas of the third parcial, which I made as easy as possible, after the first two had rather bad results, although I only tested things exactly as we had done them multiple times in class. In the last lessons before the tests I also repeated everything which the students had to know and would be asked in the test. After the students had written the pruebas and I corrected them, I had more students with 5 or more points (10 is the best and 0 the worst) but still a few with very bad grades. But of course the results varied in each class. My 8th graders were actually the best with only one grade 4 and the rest 6 and higher. But other classes were rather bad, which makes you think the students didn’t attend class in the last parcial at all. Such results kind of lessen my motivation, especially as the midterm exams are very soon. Those exams, which last only 40 minutes (so basically just another test), are supposed to contain questions about everything that we did in class that semester. At the same time it shouldn’t be too difficult, because otherwise most of my students would fail their exams, which of course I don’t want. So it is a tricky situation. I will definetly have to repeat everything from this semester next week, which is the last week before the exams (they are from the 10th – 14th). The problem is that my students don’t have any use for English except for their English lessons, so their motivation to learn it is mostly low and they forget almost everything from one lesson to the next.

In the ecological part of the project we twisted and folded palmleaves, which Cesar cut off with his machete. With this technique he could use them to repair the roof of my old hut, which wasn’t really waterproof anymore. On the second afternoon, while Cesar was repairing the roof, I came to ask if I could help. His answer, which I first thought was a joke, was: over there is some meat, which you can carry to the kitchen. Only then did I see a tail peaking out under some folded palm leaves. The tail belonged to a gutted armadillo, which I had to carry to the kitchen and which soup was made out of for dinner.
Last weekend I was in Macas, to enjoy the city-life a little bit and because I had to buy some things. There I got to see a karneval-parade, which was a little bit like the ones back in Germany, which I really enjoyed watching.

Last Wednesday I was woken up by the heavy rain in the middle of the night because it was really loud. In the morning it had stopped raining, but the small river (Rio Colorado) as well as the big river (Rio Macuma) was very full and very dirty. After breakfast Sven and I headed to school, like we always did, but we didn’t get far because it started raining heavily again. Luckily we were close to a hut, where we could stay while it rained, because it didn’t stop for 2.5 hours. That day we couldn’t go to school, because our normal bus didn’t stop and the next one dind’t come at all, probably because of the heavy rain. When it was finally only drizzling, we went back to the village. As we walked there we could already hear both rivers and then see them from the bath, which wasn’t a good sign. In the village you could see that both rivers had gone over their normal limits. About half an hour later Tunti was calling, that I should help and as I left my hut I could immediatly see, with what.
Both rivers had risen so much, that the „front yard“ of Cesars house was covered in water and the house itself, which luckily was built on stelts, was standing in water as well. So we had to quickly carry up everything that was beneath the house, so it wasn’t carried away in the river. While we were working the water level very quickly rose even more, so that after about 15 minutes the water was almost directly beneath the floor of Cesars house. While Sandrine and I started cooking lunch, Cesar and Sven had to watch out for big trees, which could have been swimming in the water, so that they could stop it from trashing the house, which luckily didn’t happen. According to Cesar this was the worst flooding yet. The water level, which in total rose at least 4 metres, was 50 cm higher than during the last flooding four years ago. That evening the level was already almost normal again and you could see the destruction that the flood left behind. Almost all of the plantain palms and yuca plants and even a few trees were taken by the flood. But even worse is, that the fields on the other side of the river were almost completely destroyed.
At least Cesar could save some of the yuca, because the roots were still in the ground and only the rest of the plant was torn away. But now the whole field has to be replanted and the next harvest will be in 6-8 months. The same thing happened to a few other families. Some also had their cows and horses tied up close to the river, so that a few of them drowned.
Only two days later (January 31st) there was a celebration, because of the anniversary of the community Yukaip. While Sven and Sandrine went directly to the celebration after breakfast, I went to Macuma. But I could’ve saved myself the trip, because there were no classes that day, which I only knew, after I arrived there. In Yukaip they had real food booths and many spectators from other communities. In the morning they had a soccer tournament, where the kids from different schools played against each other. Later there was a volleyball tournament for people older than 50, where three of my teachers played in as a team. In the afternoon Sandrine and I went back home and grated yuca for the chicken.
After it was dark, we walked back to Yukaip, where the election of the Reina (Queen) took place. There where three participants, who presented themselves in different outfits and with different choreographies while they were judged by a jury. The whole thing seemed very weird to me, because somehow glittery dresses, high heels and tons of make-up are not very common at all here. As after each round of presentations, the contestants had to change their outfits, the event ended around midnight (it had started at 8p.m.). After the queen was crowned, everybody danced. We went back home at around 1a.m. Om Saturday the party continued but Sandrien and I dind’t go, because it was raining again and I wanted to make some vocabulary games for my students.

On sunday, so the day after the Yukaip-party, we pre-celebrated Cesar’s birthday, which is actually only on February 7th, but here the people celebrate things when they have time and not necessarily when it actually is. But the celebration didn’t start until late in the evening (about 7p.m. ;)) because Cesar, Lucy and two other families went to our yuca field to get the rest of it out of the ground, which was a lot and thus took almost all day. It was so much that bothe families which helped, each took home two full sacks of Yuca. We had one or two full ones as well, and Cesar even had two more, which he sold to to other families. So, while the chicken soup and the yuca intended for eating were cooked, the female guests made a huge pot of Chicha. Sandrine, Sven and I were sitting at a table nearby with some children and the male guests and we talked about this and that and drunk some kind of naranjilla alcohol, which tasted very good. It was a very nice evening which ended at about 11p.m. (which is very late for Selva Vida ;)).

Die Naranjillasaft-mach-station // The naranjilla juice-making-station
Alles steht unter Wasser // Everything is covered by water
Der komplett überflutete Vorplatz // The completely flooded back-yard
Der Garten nach der Flut // The backyard after the flood
Die ehemalige Treppe endet jetzt sehr hoch über dem Fluss // The once-stairs now end above the river
Das Wasser ging bis zum Boden des Hauses. Links sieht man dem Fluss im Normalzustand… // The water level reached up to the floor of the hut. On the left you see the river in a normal state…..

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